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Meine gemeine Tierärztin

Ich mag meine Tierärztin ja überhaupt nicht.

Verstehe gar nicht, dass einige andere Hunde so ruhig bleiben können. Im Wartezimmer ist immer der ein oder andere Leidensgenosse, der irgendwie viel lockerer ist als ich. Als ob es denen nichts ausmachen würde, dass man sie gleich untersuchen und ihnen wahrscheinlich auch wehtun wird.

Das ist doch meistens so. Da kann Herrchen oder Frauchen noch so versuchen mich zu beruhigen, ich weiß es besser. Denn vergessen tue ich so was nicht.

Im Frühling ist immer Impfen angesagt. Pah! Als ob ich das brauchen würde. Ich halte mir blöde Krankheiten schon selber vom Hals. Aber nein, einmal im Jahr wird’s gemacht und ich kann nichts dagegen machen. Wenn es denn dann wenigstens bei der unangenehmen Untersuchung und dem bösen Pieks im Rücken bleiben würde. Nö. Die doofe Tierärztin muß ja immer suchen bis sie irgendwas findet womit sich ein paar Euros machen lässt (ich bin fies, ich weiß).

Letztes Jahr war es ein Tumor in einem Hoden. Hab das erst nicht verstanden. „Das Ei muß weg“ sagte sie. „Hä? Wie?“ dachte ich. „Brauche das doch, bin doch ein Rüde“. Meine beiden Menschen waren auch geschockt aber die Tierärztin hat denen erklärt dass das gar nicht so schlimm ist und so. Na ja, mir war immer noch mulmig da ich ahnte was mir blühen wird.

So kam es dann also, dass ich unters Messer musste. Meine (in dem Moment) „bösen“ Menschen brachten mich gemeinsam zur „Tierquälerin“ (sorry, Frau Doktor!) und ließen mich dort allein zurück. Aber erst mussten Sie mir natürlich beim Einschlafen zugucken. Sie meinten wohl das würde mich beruhigen wenn ich weiß dass sie bei mir sind. Wenn ich ehrlich bin war ich wirklich froh darüber…

Erst wollte ich ja nicht einschlafen, hatte doch ein wenig Angst was dann passiert - das gebe ich offen zu. Außerdem kann ich es nicht leiden wenn ich über etwas keine Kontrolle habe. Also habe ich meine ganze Kraft zusammen genommen um mich wach zu halten. Puhh… war das anstrengend. Nachdem Frau Doktor dann noch was von dem Einschlafmittel nachgelegt hat verließen mich meine Kräfte und ich konnte mich nicht mehr gegen das Einschlafen wehren.

Danach weiß ich erstmal eine zeitlang nichts mehr.

Das erste woran ich mich erinnere ist, dass mir die blonden Helferin im Maul rumgefummelt hat und meine schönen Zähne mit irgendwas bearbeitet hat. Das fand ich gar nicht gut und wollte aufstehen, aber irgendwie hatte ich keine Kraft, so wie sonst zuhause nach dem Aufwachen. Mir ging es gar nicht gut, ich wollte aufwachen, loslaufen und ab zu meinen Menschen. Auch wenn die mich ja erst in diese schreckliche Lage gebracht hatten, ich war ihnen schon gar nicht mehr böse und wollte schnell hin zu ihnen. Ging aber nicht.

Die Blonde wurde immer hektischer, fummelte immer hektischer in meinem Maul rum und sagte der Ärztin ich würde aufwachen. Da scheint sie nicht so begeistert von gewesen zu sein. Hab dann auch mitbekommen warum. Sie war wohl dabei Zahnstein zu entfernen und so und kam dabei in Zeitnot.

Hä-hä. Schade dass sie dann doch schneller mit meinen Zähnen fertig war als ich fit. Denn dann hätte ich ihr ordentlich meine Meinung geknurrt!

Nach kurzer Zeit kamen meine lieben Menschen um mich abzuholen. Man habe ich mich gefreut. Ich schlief noch halb aber ich merkte dass sie da waren und sich genauso freuten wie ich. Von der Heimfahrt bekam ich auch nicht viel mit.

Zuhause wurde ich dann auf den Boden gelegt und durfte nicht aufstehen. Hat eh ganz schön lange gedauert bis ich das hinbekommen habe. Einer war immer bei mir, sogar neben mir auf dem Boden. Fand ich echt klasse von meinen beiden Lieblingsmenschen.

Als ich dann immer wacher wurde wollte ich endlich aufstehen aber es ging einfach nicht. Ich war viel zu schwach. Langsam merkte ich ein sehr unangenehmes Gefühl „zwischen den Beinen“ und schaute mal nach. Boah! Erstmal Augen zu und nochmal gucken. Die haben mir tatsächlich ein Ei weggeschnippelt. Das hatte ich nämlich die ganze Zeit über verdrängt. Allerdings war ich immer noch viel zu schwach um mich aufzuregen. Mußte halt nur öfter mal gucken und kontrollieren.

Gegen das Kontrollieren hatten meine Menschen aber was, deswegen haben sie mir dann so ein komisches Plastikteil um den Hals getan. Ich konnte damit ja gar nichts mehr machen! War total eingeschränkt in meinen Bewegungen und was am schlimmsten war: Ich konnte nicht mehr kontrollieren was zwischen meinen Beinen los ist! Da ich aber kurz vorher erst geguckt hatte beließ ich es erstmal dabei und schlief noch ne Runde.

Als ich dann endlich ausgeschlafen hatte wollte ich erstmal ein paar Schritte die Wohnung kontrollieren und so, das übliche halt, aber das war ja sowas von peinlich. Meine Menschen waren total gemein und amüsierten sich köstlich über mich. Ich lief wie besoffen und stieß mit dem Plastikteil überall an. Raus wollte ich auch nicht wirklich, war eh zu schwach zum essen und trinken, von daher…. Herrchen trug mich zwar zwischendurch mal raus auf die Wiese vorm Haus aber das hätte er sich sparen können. Fühle mich noch nicht so gut wie ich dachte, mir kam alles so bedrohlich vor, also wollte ich schnell wieder rein.

Als ich fitter wurde versuchte ich natürlich dieses blöde Teil um meinen Kopf loszuwerden. Man hatte Mitleid mit mir und nahm es mir ab. So! Erstmal gucken was „da unten“ los ist. Zack! Erstmal Schimpfe kassiert. Kurze Zeit nicht geguckt. Gelobt worden. Wieder gucken gewollt, Schimpfe und Plastikding wieder über den Kopf bekommen. Super.

Nun ja. Um zum Ende zu kommen:

Nach ein paar Tagen ging es mir dank Leberwurst-Häppchen besser und ich brauchte das Plastikteil nicht mehr. Schmerzen hatte ich auch keine mehr und alle waren zufrieden dass alles gut verheilt und nun wieder in Ordnung ist.

Dummerweise ist nun schon Februar… nicht mehr lange und es ist wieder so weit… - “Impfen beim Tierarzt“….
Mir graust es schon. Habe mir aber vorgenommen nicht mehr krank zu werden, so dass ich „nur“ diesen blöden Impfungspieks über mich ergehen lassen muss. Muss gucken dass ich von meinen beiden vorher ganz oft Leberwursthäppchen bekomme, denn die machen fit und gesund! Und vorbeugen schadet nie!

 

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